
Die hier dargestellte theoretische Einführung stammt aus einer Veröffentlichung von 2002. Sie bildete die Grundlage für die Konstruktion des Leseverständnistests ELFE 1-6. Sollten Sie an neueren Publikationen und weiterführenden Informationen interessiert, so empfehlen wir das Buch
Lenhard, W. & Schneider, W. (2009). Diagnose und Förderung des Leseverständnisses. Göttingen: Hogrefe.
Es vermittelt alle relevanten Informationen, die für die nachhaltige Förderung der Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen notwendig sind. Zum einen wird behandelt, welche Teilfähigkeiten und Determinanten das Leseverständnis bedingen. Zum anderen stellen Testautoren Diagnoseverfahren dar, mit denen sowohl basale als auch komplexe Leseleistungen erfassbar sind. Im letzten Teil wendet sich das Buch Förderansätzen und Interventionsprogrammen zu und zeigt auf, welche konkreten Konzepte zur Verfügung stehen. In der Darstellung von Verfahren beschränkt sich das Buch nicht allein auf bereits verfügbare Programme, sondern gibt darüber hinaus Einblick in zurzeit in Entwicklung befindliche Verfahren.
|
"Ein ritter sô gelêret was daz er an den buochen las swaz er dar an geschriben vant; der was Hartman genant, dienstman was er ze Ouwe." (Hartmann von Aue, 1195,
zitiert nach Mettke, 1974, S. 9) |
Übersetzung: "Ein Ritter war so gelehrt, dass er alles las, was er in Büchern geschrieben fand. Dieser Ritter wurde Hartmann genannt, und war Dienstmann in Aue." (freie Übersetzung des Autors) |
Mit seinem Werk "Der arme Heinrich" schuf der Dichter Hartmann von Aue 1195 "die klassische Novelle des Hochfeudalismus", so Mettke (1974, S. 1). Interessanterweise lobt von Aue zu Beginn seines Werkes seine außergewöhnliche Gelehrsamkeit. Er stellt heraus, dass er selbst sogar im Buche lese, obwohl er ein Ritter sei.
Ein solches Selbstlob wäre heutzutage völlig unbegründet, denn Lesen und Schreiben gehören in den industrialisierten Ländern zu den selbstverständlichen kulturellen Fähigkeiten. Kaum ein Erwachsener verfügt hierzulande nicht zumindest über rudimentäre Formen dieser Techniken (Klicpera & Gasteiger-Klicpera, 1995, S. 4). Um Hartmann von Aues Zitat besser zu verstehen, muss man sich die Tatsache bewusst machen, dass die Beherrschung der Kulturtechniken des Lesens und Schreibens in der Epoche des Mittelalters außergewöhnlich war. Schrift galt zu dieser Zeit als Inbegriff der Wahrheit. Das oben genannte Zitat hat in diesem Sinne etwa die Bedeutung: "Das was ich nun berichten werde ist wirklich wahr. Ich habe es selbst gelesen!".
Sogar Dichter und Minnesänger waren oft der Schriftsprache nicht mächtig. So existieren z.B. von Walther von der Vogelweide keine eigenen Aufzeichnungen, ja nicht einmal schriftliche Belege für dessen Existenz (Lindner, 1968, S. 47). Hugo von Trimmberg schrieb um 1300 über ihn: "Her Walther von der Vogelweide, swer dez vergaeze, der taet mir leide" (Hugo von Trimmberg, zitiert nach Lindner, 1968, S. 47). Alle seine Werke wurden mündlich überliefert und erst später von anderen niedergeschrieben.
"Lesen und Schreiben waren lange Zeit einem kleinen Teil der Bevölkerung vorbehalten gewesen, erst die Erfindung des Buchdrucks schuf die materielle Basis für eine breitere Zugänglichkeit der Schrift" (Klicpera & Gasteiger-Klicpera, 1995, S. 4). In unserem Sprachraum ist die Verbreitung der Schriftsprache eng verbunden mit der Reformation und deren Verweis auf die Bibel als Quelle der Wahrheit, so Klicpera und Gasteiger-Klicpera.
Ein weiterer Beleg für die eher junge Natur des herausragenden Stellenwerts des Lesens und Schreibens in unserer Gesellschaft ist die Tatsache, dass vom ersten Zeugnis deutscher Sprache im 8. Jahrhundert bis zur Schaffung eines verbindlichen Regelwerkes der deutschen Orthographie 1901 elf Jahrhunderte vergingen (Niederhauser, 1995). So scheint z.B. auch Goethe von einer einheitlichen Schreibweise nicht viel gehalten zu haben: "Ein Wort schreibe ich mit dreierlei Orthographie, und was die Unarten alle sein mögen, deren ich mir sehr wohl bewusst bin und gegen die ich auch nur im äußersten Notfall zu kämpfen mich überwinde" (Goethe, zitiert nach Niederhauser, 1995).
Praktisch jeder Mensch wird heute in unserem Kulturkreis mit schriftlichem Material konfrontiert. Durchschnittlich verbringt in unserem Kulturkreis jeder Erwachsene täglich 2½ Stunden mit Lesen, vor allem im Rahmen des Berufs. Ca. 90% aller Arbeitsplätze setzen den Umgang mit schriftlichem Material voraus, so Klicpera und Gasteiger-Klicpera (1995, S. 5). In erster Linie handelt es sich hierbei in Bezug auf das Lesen nicht um einen mechanischen Umgang mit Buchstabenfolgen, sondern um sinnentnehmendes, verstehendes Lesen.
Während der Lesesozialisation, die bereits lange vor dem schulischen Unterricht einsetzt, durchlaufen Kinder vom Beginn des Schriftspracherwerbs bis zur zielorientierten Nutzung von Texten einen Entwicklungsprozess, der das komplexe Zusammenspiel verschiedenster Teilfähigkeiten erfordert (Artelt, Stanat, Schneider & Schiefele, 2001). Das Kind muss hierzu nicht nur neue, komplexe Fähigkeiten erwerben, sondern diese auch mit bereits erworbenen sprachlichen Fertigkeiten vernetzten. Im folgenden Abschnitt werden zunächst die Teilprozesse beleuchtet, deren Zusammenspiel bedeutungsentnehmendes Lesen ermöglicht. Das daran anschließende Kapitel thematisiert entwicklungspsychologische Modellvorstellungen über den Erwerb von Leseverständnisfähigkeiten.
Intuitiven Alltagsvorstellungen entsprechend ist das Lesen eine eher passive Rezeption von im Text enthaltenen Informationen und Bedeutungsinhalten (Christmann & Groeben, 1999). Gemäß dieser Ansicht, die auch frühen Kommunikationsmodellen aus der Hochzeit des Behaviorismus zugrunde liegt, werden Informationen vom Schreiber zunächst enkodiert und anschließend vom Leser wieder dekodiert. Dekodierung und Enkodierung sind dieser Vorstellung entsprechend weitgehend spiegelbildliche Prozesse (siehe Abb. 1).
![]() Abbildung 1 Das allgemeine Schema der Informationsübertragung von Shannon und Weaver (1949, aus: Hoffmann, 1993, S. 16) |
Dem gegenüber betont die kognitive Psychologie und die experimentellen Leseforschung, dass Lesen (bzw. Sprachrezeption im Allgemeinen) ein hochgradig aktiver Prozess der Auseinandersetzung mit den jeweiligen Inhalten ist (Klicpera & Gasteiger-Klicpera, 1995, S. 133; Artelt, Stanat, Schneider & Schiefele, 2001). Die kognitive Konstruktivität des Sprachverständnisses und die Interaktion zwischen (Text-)Informationen und Weltwissen des Rezipienten wird besonders an missverständlichen Botschaften deutlich, wie z.B. den folgenden:
Der Prozess der Rekonstruktion von Bedeutungsinhalten besteht gerade nicht nur darin, sprachlich vermittelte Informationen einzelner Wörter mit den umgebenden Informationen - den anderen Wörtern, Satzteilen, und Sätzen - in Verbindung zu setzten, sondern sie auf der Basis des individuellen Vorwissens zu interpretieren (Christmann & Groeben, 1999). Im Folgenden werden die für das Verstehen eines Textes erforderlichen Verarbeitungsschritte beleuchtet, wobei zwischen verschiedenen Komplexitätsniveaus unterschieden wird: dem Wortverständnis, Satzverständnis und Textverständnis.
Beim Lesen stehen zunächst Faktoren im Mittelpunkt, die das Leseverstehen auf Wortebene beeinflussen. Zu diesen gehören der Wortschatz des Kindes, die Fähigkeit zur Dekodierung einzelner Wörter, die Erfassung der Wortbedeutung sowie das Wissen, wie diese Bedeutung durch den jeweiligen Kontext modifiziert wird (Klicpera & Gasteiger-Klicpera, 1995, S. 133). Gelingt dem Kind die Interpretation der Wortbedeutungen auf der Basis des Kontextes, so hat es bereits die Vernetzung zur Satzebene hergestellt. Nun muss auch die grammatikalische Struktur berücksichtigt werden. Um schließlich einen ganzen Text zu verstehen ist es vonnöten, die Informationen verschiedener Sätze mit einander in Beziehung zu setzen. Auf dieser Ebene gewinnen schließlich metakognitive Fähigkeiten wie das schemageleitete Textverstehen zunehmend an Wichtigkeit.
Das Erkennen der Bedeutung einzelner Wörter spielt für das Hauptziel
des Lesens - dem inhaltlichen Verständnis des schriftlichen Materials -
eine zentrale Rolle. Dies wird auch darin deutlich, dass während des Lesevorgangs
ein Wort fixiert und anschließend mittels einer Sakkade zum nächsten
Wort gesprungen wird. Der Lesevorgang ist also zumindest beim geübten Leser
im wesentlichen ein Lesen Wort für Wort (Klicpera & Gasteiger-Klicpera,
1995, S. 13).
Ein faszinierender Effekt, der bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts nachgewiesen
wurde, unterstreicht die Bedeutung des Wortes als schriftsprachliche Einheit:
Cattel beobachtete, dass Buchstaben innerhalb von Wörtern schneller wahrnehmbar
sind als Buchstaben innerhalb von unsinnigen Buchstabenfolgen oder auch Einzelbuchstaben
- ein Phänomen, das von ihm als Wortüberlegenheitseffekt bezeichnet
wurde (Klicpera & Gasteiger-Klicpera, 1995, S. 14 f.). Gegen Ende der 60er
Jahre griff Reicher diesen Effekt wieder auf und untersuchte ihn mittels verbesserter
Forschungsinstrumente erneut. Die Erklärung dieses sowie weiterer untergeordneter
Effekte ist seitdem eines der Prüfkriterien, die an Modelle der visuellen
Worterkennung angelegt werden (Jacobs & Grainger, 1994). Ein weiterer interessanter
Effekt auf diesem Gebiet ist der Stroop-Effekt.
Es existieren zahlreiche solcher Modelle, die sich in Format und Komplexität
wesentlich unterscheiden. Jacobs und Grainger (1994) berichten von insgesamt
15, die im Zeitraum zwischen 1969 und 1994 entstanden sind. Angesichts dieser
Vielfalt möchte ich mich auf einige wesentliche Aspekte beschränken
und deshalb stellvertretend drei verschiedene Modelle herausgreifen, die besonderen
Einfluss auf die Forschung ausgeübt haben und verschiedene Forschungsansätze
repräsentieren. Es handelt sich hierbei um das Logogen-Modell nach Morton
(1969), das Aktivationsmodell nach McClelland und Rumelhart (1981) und die Dual-Route-Theory
nach Coltheart (1978).
Erste Prozessmodelle des Lesens und Schreibens wurden von Morton entwickelt,
der bereits 1969 eine erste Arbeit über den Worterkennungsvorgang beim
Lesen vorgelegt hat (Klicpera & Gasteiger-Klicpera, 1995, S. 97). Er entwickelte
diesen Entwurf weiter und veröffentlichte 1979 sein "Logogen-Modell"
(Graf, 1994, S. 46), welches auch Vorstellungen über die beim Schreiben
ablaufenden Prozesse umfasst (siehe Abb. 2).
|
Viele der Entwürfe, die seitdem entstanden sind, basieren auf Mortons Modell
oder wurden zumindest wesentlich davon beeinflusst (Graf, 1994, S. 46). Da diese
Modelle in der Tradition der Informationsverarbeitungstheorie stehen, folgt
ihre Grobstruktur typischerweise dem Schema "Input -> Verarbeitung ->
Output". Als Input können verschiedene Eingangsinformationen wie z.B.
gesprochene Sprache oder Schrift dienen, die auf diverse lexikalische und nicht-lexikalische
Arten weiterverarbeitet werden. Der Output besteht aus Sprache (beim Lesen)
oder Schrift (beim Schreiben) (Klicpera & Gasteiger-Klicpera, 1995, S. 97
ff.). Logogene sind dabei Spracheinheiten, die den mentalen Repräsentationen
von Wortbedeutungen entsprechen. Erreicht eine bestimmte Information - z.B.
ein bestimmtes Wort - das kognitive System, so wird das zugehörige Logogen
aktiviert. Überschreitet die Aktivierung eine bestimmte Schwelle so kommt
es zur Erkennung des Wortes.
Ähnlich wie in der Dual-Route-Theory nach Coltheart (1978) sieht das Modell
neben lexikalischen Verarbeitungsmöglichkeiten von Wörtern auch die
Umwandlung von Sprache in Schrift über die Phonem-Graphem-Korrespondenzregeln
(GPK-Regeln) vor. Allerdings spielt diese Strategie hier nur eine untergeordnete
Rolle, so Klicpera und Gasteiger-Klicpera (1995, S. 99 f.).
Ein Modell, das in der Lage ist, den Wortüberlegenheitseffekt zu erklären,
und das verschiedene Schwächen früherer Modelle überwindet, wurde
von McClelland und Rumelhart (1981) vorgeschlagen. Sie gehen davon aus, dass
sowohl grundlegende grafische Elemente (Punkte und Striche, aus denen sich Buchstaben
zusammensetzten), als auch Buchstaben und Wörter im Gedächtnis repräsentiert
und in Form eines Netzwerkes organisiert sind. Der Worterkennungsprozess beginnt
mit der Aufnahme der grafischen Elemente. Diese Merkmale führen zu charakteristischen
Aktivierungsmustern im neuronalen Netz: Jene Buchstaben, die den Merkmalen entsprechen
werden mittels exzitatorischer Verknüpfungen aktiviert, die anderen über
inhibitorische Verbindungen gehemmt. Analog führen die Aktivierungsmuster
auf Buchstabenebene wiederum bei Überschreitung eines bestimmten Schwellenwertes
zur Aktivierung des zugehörigen Wortes (siehe Abb. 3).
![]() Abbildung 3 Ablauf der Worterkennung im Aktivationsmodell (McClelland & Rumelhart, 1981) |
Der Wortüberlegenheitseffekt lässt sich nach Christmann und Groeben
(1999) auf der Basis des Aktivationsmodells folgendermaßen erklären:
Die Darbietung eines in ein Wort eingebetteten Buchstabens führt zur Aktivierung
auf allen drei Ebenen, die Darbietung von Non-Wörtern oder einzelnen Buchstaben
hingegen nur auf der Eigenschafts- und Buchstabenebene. Die stärkere Aktivierung
wiederum bedingt eine erleichterte Erkennung.
1989 wurde von Seidenberg und McClelland eine erweiterte Version des Modells
vorgelegt, das "parallel-distributed-processing (PDP) connectionist model".
Es ist vollständig als Netzwerkmodell realisiert und liegt in Form einer
Computersimulation vor (siehe Abb. 4). Das in diesem Modell beschriebene Netzwerk
besteht aus 400 orthographischen Eingangsknoten, 200 sog. "versteckten
Einheiten" ("hidden units") und 460 Ausgangsknoten, die die phonetische
Realisation des geschriebenen Wortes beschreiben. Anders als im Modell von McClelland
und Rumelhart (1981) repräsentiert ein Eingangsknoten nicht mehr einen
einzelnen Buchstaben, sondern ein Buchstaben-Tripel (Coltheart, Curtis, Atkins
& Haller, 1993). Wird ein Wort über das visuelle System aufgenommen,
so aktiviert es alle zugehörigen Tripel des Netzwerks, also im Falle des
Wortes Vater die Tripel "--V", "-Va", "Vat", "ate",
"ter", "er-" und "r--". Da die Eingangsknoten
mit den Knoten in der Schicht der versteckten Einheiten verbunden sind, breiten
sich die Aktivierungsmuster zunächst zur Schicht der versteckten Einheiten
und von dort auf die Schicht der phonologischen Ausgangsknoten aus. Die individuelle
Gewichtung der einzelnen Verbindungen repräsentiert hierbei die Lernerfahrung
des Systems. Da die Ausgangsschicht rückkoppelt, durchläuft das gesamte
System eine größere Anzahl an Zyklen, bis schließlich ein stabiler
Zustand erreicht ist. Die phonologische Realisation des geschriebenen Wortes
wird in der Ausgangsschicht des Netzes repräsentiert. Seidenberg und McClelland
(1989) ließen das System die phonetische Realisation von 2 897 einsilbigen
Wörtern der englischen Sprache lernen, woraufhin es auch für 90% der
Non-Wörter die korrekte Aussprache ermitteln konnte. Das PDP-Modell sieht
zusätzlich die Aktivierung von Wortbedeutungen sowohl mittels der phonologischen
als auch der grafischen Realisation eines Wortes vor (siehe Abb. 5). Seidenberg
und McClelland (1989) gehen davon aus, dass Wortbedeutungen ähnlich wie
phonetische Realisationen von Wörtern in einem Netzwerk organisiert sind
und über zwischengeschaltete Schichten von versteckten Einheiten aktiviert
werden können. Allerdings konnten diese Teile des Modells bislang nicht
empirisch bestätigt werden.
|
|
| Abbildung 4 Skizze des am Computer modellierten neuronalen Netzes von Seidenberg & McClelland (1989), aus: Coltheart, Curtis, Atkins & Haller (1993). |
Abbildung 5 Gesamtkonzept des "parallel-distributed-processing-model" (nach Seidenberg & McClelland, 1989). Bislang wurden nur die blau gefärbten Teile des Modells implementiert. |
Eine der prominentesten Theorien der visuellen Worterkennung ist sicherlich
die Zwei-Wege-Theorie oder "Dual-Route-Theory", die erstmals von Coltheart
(1978) vorgeschlagenen wurde und seitdem Gegenstand vielfältiger Publikationen
war. Sie steht nicht nur in Einklang mit zahlreichen neurologischen Erkenntnissen
aus dem Bereich der erworbenen Dyslexie, sondern hat auch die Forschung nach
Subgruppen der Lese-Rechtschreibstörung wesentlich befruchtet (siehe z.B.
Morris et al., 1998; Stanovich, Siegel, Gottardo, Chiappe, & Sidhu, 1997;
Fletcher et al. 1997).
Die Zwei-Wege-Theorie beschreibt zwei mögliche Verarbeitungsmechanismen
im Lese-Prozess (Coltheart & Rastle, 1994) - einen direkten, lexikalischen
und einen indirekten, non-lexikalischen. Der erste, direkte Weg besteht gemäß
dieser Theorie in einer orthographischen Kodierung des Schriftbildes, über
den direkt ein Eintrag im mentalen Lexikon aktiviert wird. Die Aussprache des
Wortes ist also unmittelbar zugänglich. Bei Wörtern, die nicht im
Lexikon vertreten sind, wird hingegen die zweite, indirekte Route gewählt.
Da hier keine Eintragung im Lexikon vorliegt, muss das Wort über die Graphem/Phonem-Zuordnung
Buchstabe für Buchstabe erlesen werden. Die phonologische Struktur eines
Wortes wird also mittels phonologischer Rekodierung von Buchstaben bzw. Buchstabengruppen
seriell rekonstruiert.
Neurologen berichten immer wieder von Patienten, bei denen aufgrund einer hirnorganischen
Schädigung eine dieser beiden Routen nicht verfügbar ist. Diese Studien
zeigen, dass beide Strategien für das Lesen und Schreiben essentiell wichtig
zu sein scheinen. Ist nur der direkte Weg möglich, so haben betroffene
Menschen immense Schwierigkeiten beim Erlesen von Pseudowörtern (Klicpera
& Gasteiger-Klicpera, 1995, S. 193). Da solche Wörter inhaltsfrei sind,
können sie nicht im semantischen Gedächtnis präsent sein. In
diesem Fall kommt es zu einer phonologischen Dyslexie. Es ist allerdings theoretisch
möglich dieses Defizit der Graphem/Phonem- und Phonem/Graphem-Zuordnung
durch ein hinreichend umfassendes semantisches Gedächtnis zu kompensieren,
da Pseudowörter im Alltag nur eine untergeordnete Rolle spielen. Auf diese
Weise kann die Lese- und Schreibfähigkeit ein ausreichendes Niveau erreichen.
Ist hingegen der direkte Weg über das semantische Gedächtnis auf irgendeine
Weise beeinträchtigt, so müssen alle Wörter über die GPK-Regeln
erlesen oder geschrieben werden (Klicpera & Gasteiger-Klicpera, 1995, S.
196 f.). Als Folge kommt es zur Oberflächendyslexie, die sich in Schwierigkeiten
bei unregelmäßigen Wörtern und Homophonen äußert.
Außerdem werden dabei zahlreiche Neologismen produziert. Beide Arten von
Lese-Rechtschreibschwierigkeiten wurden auch bei leseschwachen Kindern beobachtet,
auch wenn bislang die Frage nach der Unterteilung der Lese-Rechtschreibstörung
in Subgruppen noch nicht hinreichend geklärt ist (siehe z.B. Morris et
al., 1998; Stanovich, Siegel, Gottardo, Chiappe, & Sidhu, 1997; Fletcher
et al. 1997).
Seit etwa 10 Jahren liegt analog zum Aktivations-Modell (Seidenberg & McClelland,
1989) ein Computer-Modell mit der Bezeichnung "dual-route cascaded (DRC)
model of word recognition" vor, das auf der Dual-Route-Theory basiert (siehe
Abb. 6). Das DRC stellt die Synthese von Zwei-Wege-Theorie und PDP-Modell her.
Coltheart, Curtis, Atkins und Haller (1993) erstellten ein Regelsystem, das
erfolgreich alle GPK-Regeln der englischen Sprache integriert und das die indirekte
Route simuliert. Als Modul für die direkte Route wählten sie das PDP-Modell
(Seidenberg & McClelland, 1989). Das DRC vereinigt somit sowohl hierarchische
Komponentenmodelle mit seriellem Ablauf, als auch Netzwerkmodelle mit paralleler
Arbeitsweise. Die einzelnen Komponenten des DRC arbeiten bidirektional und das
System durchläuft so viele Zyklen, bis ein stabiles Optimum gefunden ist
(Coltheart & Rastle, 1994).
![]() Abbildung 6 Das dual-route cascaded model (DRC) nach Ziegler, Perry & Coltheart (2000). Die Worterkennung kann entweder direkt unter Einbeziehung des semantischen Systems erfolgen, oder indirekt über das buchstabenweise Erlesen der einzelnen Grapheme. Pfeile symbolisieren exzitatorische und runde Endungen inhibitorische Verknüpfungen. Die Einbeziehung des semantischen Systems - also der Wortbedeutungen wurde bislang wie im PDP-Modell (Seidenberg & McClelland, 1989) nicht realisiert. |
Mit dem DRC gelang es, lautes Lesen am Computer erfolgreich zu simulieren (Coltheart,
Curtis, Atkins & Haller, 1993; Coltheart & Rastle, 1994). Das Modell
wurde darüber hinaus in jüngerer Zeit auf die deutsche Sprache übertragen
(Ziegler, Perry & Coltheart, 2000) und erwies auch hier seine erstaunliche
Leistungsfähigkeit: Es übertraf bei weitem die Trefferquote des PDP-Modells
und schnitt bei einsilbigen deutschen Wörtern sowie regulär (gemäß
den GPK-Regeln) geschriebenen Lehnwörtern sogar noch etwas besser ab als
deutschsprachige Versuchspersonen. Im Bereich irregulär geschriebener Fremdwörter
lag die Fehlerrate des DRC bei 24,2 % im Vergleich zu 19,5 % bei den Versuchspersonen.
Diese Leistung ist umso beachtlicher wenn man bedenkt, dass das Modell lediglich
die phonetische Realisation von ca. 1 500 einsilbigen deutschen Wörtern
erlernt hatte.
Das DRC überwindet die Schwächen des PDP-Modells, welches darauf
angewiesen ist, dass das zu lesende Wort - oder zumindest eine hinreichend große
Anzahl ähnlicher Wörter - bereits gelernt wurde und im Netzwerk repräsentiert
ist. Gleichzeitig erbt es dessen mentales Lexikon der Wortbedeutungen.
Einschränkend muss festgestellt werden, dass beide Modelle bislang nur
für den Bereich des lauten Lesens Gültigkeit beanspruchen. Auch bleiben
zum jetzigen Zeitpunkt Wörter mit mehr als einer Silbe unberücksichtigt.
Aus diesem Grund ist es beiden Modellen bislang nicht möglich, Wörter
in ihre Silben zu zerlegen und gemäß ihrer Morpheme zu analysieren.
Trotz dieser Einschränkungen kann insbesondere das DRC erstaunliche Erfolge
im Bereich des lauten Lesens und in der Anwendung des Modells auf gestörten
Schriftspracherwerb vorweisen (siehe Coltheart, Curtis Atkins & Haller,
1993; Ziegler, Perry & Coltheart, 2000; Coltheart & Rastle, 1994).
Das Phänomen des Verstehens einzelner Wörter ist eng verwoben mit der Art und Weise, wie wir Begriffe mental organisieren und repräsentieren. Hoffmann (1993, S. 119 ff.) führt zum Thema Begriffsbildung sieben verschiedene Forschungsansätze auf:
Im derzeitigen "Standardmodell der Wortbedeutung" (Anderson & Nagy, 1991) wird davon ausgegangen, dass Wortbedeutungen als Mengen kritischer - also notwendiger und hinreichender - Eigenschaften beschrieben werden können. Trotz vieler Kritikpunkte und obwohl praktisch alle theoretischen Ableitungen aus dieser Theorie angefochten werden können, entspricht nach Anderson und Nagy also die unter 1.) beschriebene Theorie dem momentanen Konsensus unter den Forschern:
"[Dissatisfaction] with the standard model is perhaps the most accurate representation of the current consensus. That is, scholars concerned with word meanings concur in their rejection of aspects of the standard model, but not on any model to replace it. ... To some extend, the standard model we define comes close to reflecting a commonsense view of word meaning that forms the implicit basis for much of the thinking that is done about word meanings, especially in applied areas such as reading and vocabulary instruction." (Anderson & Nagy 1991).
Kritikpunkte lassen sich bereits an den fundamentalen Eigenschaften des Modells anbringen. Es gibt bei den allermeisten Begriffen keine einzige Eigenschaft, die sowohl hinreichend als auch notwendig wäre. Betrachten wir z.B. den Begriff Rotkehlchen. Dieser setzt sich aus weiteren, elementareren Begriffen, wie z.B. "Vogel", "kann fliegen", "roter Hals" und "singt" zusammen. Mit anderen Vögeln teilt das Rotkehlchen die Eigenschaft, dass es fliegen kann. Dennoch kann "kann fliegen" kein hinreichendes Merkmal sein, da es sehr viele Vogelarten gibt, die im Gegensatz zum Rotkehlchen nicht fliegen können, wie z.B Pinguine oder dem neuseeländischen Kakapoo. Genauso würden wir ein Rotkehlchen dennoch als Rotkehlchen erkennen, wenn es z.B. aufgrund eines gebrochenen Flügels nicht fliegen kann. Die Eigenschaft "roter Hals" hingegen unterscheidet das Rotkehlchen zwar von Raben, Bussarden und Spatzen, nicht aber vom Erdbeerhäubchen (einer Papageienart) oder von Oskar Lafontaine. "Singt" ist eine Eigenschaft, die das Rotkehlchen von Raubvögeln unterscheidet; es teilt diese Eigenschaft allerdings auch mit Placido Domingo. Und obwohl sicherlich die meisten Rotkehlchen in der Lage sind zu singen, und dies auch v.a. im Frühling intensiv praktizieren, würden wir dennoch auch ein still auf einem Ast sitzendes Rotkehlchen problemlos als solches klassifizieren können. Das skizzierte Problem wird weiter dadurch verschärft, dass die potentiellen Merkmalslisten eines Begriffs wiederum Begriffe enthalten, die auf gleiche Art und Weise zerlegt werden können. Die Erstellung von Listen kritischer Merkmale ist bei vielen Begriffen entweder gar nicht oder nur sehr schwer möglich.
Das Standardmodell stößt weiterhin an seine Grenzen, wenn es um die Erklärung der Variabilität von Bedeutungen in Abhängigkeit des Kontextes geht (Anderson & Nagy, 1991). So kann beispielsweise der Begriff "Bank" so vielfältige Bedeutungen wie "Sitzgelegenheit", "Geldinstitut" oder "seichte Wasserstelle (Sandbank)" haben. Die Bedeutung des jeweiligen Begriffs hängt hierbei maßgeblich vom Bedeutungsinhalt der umgebenden Wörter und Sätze ab. Darüber hinaus können Wörter auch übertragene Bedeutungen haben, z.B. wenn sie im Rahmen von Redewendungen auftreten. Ob diese festgefügten verbalen Ausdrücke aus Sicht der Begriffsbildung wie ein einzelnes Wort anzusehen sind, muss stark bezweifelt werden (Anderson & Nagy, 1991).
Ein weiterer großer Kritikpunkt liegt m.E. darin, dass das Modell nicht erklärt, auf welche Weise ein Begriff mit dem lautsprachlichen oder graphemischen Muster assoziiert ist. Anderson und Nagy (1991) postulieren am Rande, dass sich durch das Erkennen eines Wortes dessen Bedeutung unmittelbar erschließt, ohne jedoch zu spezifizieren, auf welche Weise dies geschieht. Sie sind jedoch der Ansicht, dass trotz der genannten Schwächen keine Alternative zum Standardmodell existiert. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen, sondern möchte stattdessen auf den Standpunkt von Hoffmann (1991, S. 132) verweisen. Dieser sieht in Netzwerken mit verdeckten Einheiten - wie beispielsweise dem Aktivationsmodell von McClelland und Rumelhart (1981) gegenwärtig die vollständigste Abbildungsmöglichkeit natürlicher Begriffe (siehe auch Balota, 1990). Zwar beschränkt sich die Computersimulation des aus dem Aktivationsmodell abgeleiteten PDP-Modells (Seidenberg & McClelland, 1989) bislang auf die reine Worterkennung, doch ist im eigentlichen Ansatz die Verknüpfung der Ausgangsknoten des Worterkennungsmoduls mit dem semantischen Netzwerk vorgesehen. Die Aktivierung könnte sich somit ausbreiten und unmittelbar die im semantischen Netz gespeicherten Bedeutungsinhalte aktivieren. Aufgrund der zwischengeschalteten Schicht verdeckter Einheiten wären auf diese Weise nicht-lineare Verknüpfungen möglich, die auch die Bedeutungsfacetten sowie übertragenen Bedeutungen eines Wortes berücksichtigen könnten.
Dies würde implizieren, dass bei Zugrundelegung des DRC-Modells (Coltheart, Curtis Atkins & Haller, 1993 ) die Erkennung einer Wortbedeutung mithilfe des seriellen Erlesens des Wortes über die indirekte Route nicht oder nur über Umwegen möglich ist - eine Tatsache, die von vielen Didaktikern geteilt wird (siehe z.B. Reichen, 1990).
Darüber hinaus stellt die Forschung auf dem Gebiet des subliminalen Primings die strenge serielle Abfolge von Erkennung eines Wortes in seiner lautsprachlichen Struktur und anschließender Ermittlung der Bedeutung in Frage (Balota, 1990). Wird beispielsweise zunächst das Wort "Katze" subliminal (inklusive anschließender Maskierung) dargeboten, so kann eine Versuchsperson kurz danach das Wort "Hund" schneller identifizieren. Wird hingegen zunächst "Stift" geprimt, so kommt es zu keiner Geschwindigkeitszunahme. Die Person aktiviert also Begriffe und Assoziationen, obwohl sie weder in der Lage ist, das Wort bewusst zu erkennen, noch die lautliche Struktur zu erfassen. Dieser Befund legt nahe, dass ein früher, prälexikalischer Zugriff auf die Bedeutung eines geschriebenen Wortes möglich ist, selbst wenn der visuelle Stimulus nicht bewusst analysiert werden kann.
Die Identifikation von Buchstaben innerhalb von tachioskopisch dargebotenen Buchstabengruppen ist - wie in Kapitel 2.1 beschrieben - wesentlich erleichtert, wenn die Buchstabengruppe ein sinnvolles Wort ergibt. Balota (1990) berichtet von Experimenten, die sich dieses Wortüberlegenheitseffekts bedienen und darauf hindeuten, dass Wortbedeutungen basale Prozesse der Worterkennung beeinflussen. Verschiedene Forschergruppen präsentierten ihren Versuchspersonen Pseudowörter bzw. Wörter, deren Sinn nicht bekannt war und maßen die Erkennungsleistung für Einzelbuchstaben bei tachioskopischer Darbietung. Im Anschluss an diese erste Experimentalphase wurde der einen Hälfte der Pseudowörter eine willkürliche Bedeutung zugewiesen und das Experiment wiederholt. Der Wortüberlegenheitseffekt trat nun auch bei diesen Wörtern auf.
Betrachtet man den Einfluss des Kontext auf die Worterkennung, so muss zunächst eine wichtige Unterscheidung hinsichtlich der Art und Weise der Wirkung getroffen werden (Oakhill & Garnham, 1989, S. 84): Zum einen könnte der Kontext vom Leser zur Korrektur bzw. Vermeidung von Lesefehlern herangezogen werden, zum anderen wäre eine Beschleunigung der Worterkennung durch Voraktivierung ähnlicher Bedeutungsinhalte denkbar. Leider sind die empirischen Befunde auf diesem Gebiet nicht eindeutig. Zwar können erfahrenere Leser leichter den Kontext heranziehen, um Vorhersagen über das nächste auftretende Wort zu machen sowie Lesefehler zu korrigieren, dennoch greifen sie scheinbar relativ selten auf diese Fähigkeit zurück, so Oakhill und Garnham. Als gesichert gilt, dass die Einbettung von Wörtern in kongruenten Kontext im Vergleich zur isolierten Darbietung von Wörtern ohne jeglichen Kontext zur Beschleunigung der Worterkennung führt. Inkongruenter Kontext führt hingegen mutmaßlich nur bei Kindern zur Verlangsamung der Erkennungsgeschwindigkeit, nicht jedoch bei Erwachsenen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Lesevorgang bereits auf Wortniveau nicht ausschließlich ein Bottom-Up-Prozess ist und nur von basalen Verarbeitungsmechanismen abhängt. Stattdessen spielen Top-Down-Prozesse sehr wohl eine bedeutende Rolle.
Das Erkennen einzelner Wörter und deren Bedeutung gewährleistet noch nicht das Verstehen der Bedeutung eines Satzes. Die Wörter einer Wortfolge müssen miteinander in Beziehung gesetzt und in eine Gesamtstruktur integriert werden. Zu diesem Zweck ist die Analyse sowohl der semantischen, als auch der syntaktischen Relationen der einzelnen Satzelemente erforderlich (Christmann & Groeben, 1999).
Von besonderer Bedeutung sind Nominal- und Verbalphrase (Klicpera & Gasteiger-Klicpera, 1995, S. 134). Eine Nominalphrase umfasst im Deutschen wie im Englischen ein Nomen, dem ein Artikel (Determinierer), sowie eine beliebige Anzahl an Adjektiven vorausgehen kann (Pinker, 1996, S. 113 ff.). Im Beispiel (siehe Abb. 7) bildet die Wortkombination "die muntere Fee" die Nominalphrase. Die Verbalphrase hingegen umfasst ein Verb, sowie eine weitere Nominalphrase, im genannten Beispiel also den Ausdruck "isst Früchte".
![]() Abbildung 7 Syntaktische Analyse des Satzes "Die muntere Fee isst Früchte" (Pinker, 1996, S. 115) |
Eine Nominalphrase kann an verschiedenen Stellen eines Satzes auftreten, beispielsweise als Subjekt des Satzes, als Objekt einer Verbalphrase, als Objekt einer Präposition (z.B. "für die Fee"), als Possesivphrase (z.B. "der Hut der Fee") und als indirektes Objekt (z.B. "gib der Fee einen Keks"). Allerdings müssen die Nominalphrasen durch Proposition gemäß den Regeln einer Sprache miteinander verknüpft werden. Im Deutschen ist zudem anders als im Englischen Genus und Kasus zu beachten (also z.B. "der Mann", "des Mannes", "dem Mann", "den Mann").
Die tatsächlich vorgegebene Kombination von Wörtern bezeichnet man als Oberflächenstruktur, den "Überbau" hingegen als Tiefenstruktur eines Satzes (Christmann & Groeben, 1999). Missverständnisse, unfreiwillige Komik und Wortspiele entstehen, wenn für eine vorgegebene Oberflächenstruktur verschiedene Tiefenstrukturen möglich sind. Das folgende Beispiel soll diesen Zusammenhang verdeutlichen: "Ich habe den Elefant im Schlafanzug erschossen." (Pinker, 1996, S. 117). Der Leser wird diesen Satz entsprechend seines Weltwissens so interpretieren, des sich "der Schlafanzug" auf das Subjekt des Satzes bezieht. Fügt man hingegen einen zweiten Satz hinzu ("Wie er in den Schlafanzug reingekommen ist, wird mir immer ein Rätsel bleiben."), so erhält der vorangegangene Satz eine andere Tiefenstruktur und muss folglich uminterpretiert werden.
Die Analyse der Tiefenstruktur eines Satzes wird im Deutschen wie im Englischen als "parsing" bezeichnet und folgt nach dem sog. "garden path"-Modell - nach Klicpera & Gasteiger-Klicpera (1995, S. 135) ist dies das derzeit am besten ausgearbeitete Modell - im wesentlichen zwei Prinzipien (Flores d'Arcais, 1990 ; Ferstl & Flores d'Arcais, 1999):
Uneinigkeit besteht zum jetzigen Zeitpunkt über das Zusammenspiel von Semantik und Syntax bei der Interpretation von Sätzen (Traban & McClelland, 1990; siehe auch Christmann & Groeben, 1999), wobei sich im wesentlichen zwei konträre Positionen unterscheiden lassen: Nach der interaktionistischen Syntaxtheorie wird die syntaktische Analyse vom semantischen Kontext, von der Pragmatik und vom Weltwissen beeinflusst. Es werden z.B. mittels der Bedeutung der Verben die einzelnen Wörter zu Nominalphrasen gruppiert, denen schließlich ihre Position im Satz zugewiesen wird. Die syntaktischen und semantischen Teilprozesse arbeiten nach dieser Theorie weitgehend parallel. Die autonome Syntaxtheorie geht hingegen davon aus, dass die syntaktische Verarbeitung der semantischen zeitlich voraus geht.
Die Frage, welche der beiden Theorien die Satzanalyse besser beschreibt wurde insbesondere mithilfe des "Sackgasseneffekts" ("garden path effect", vgl. auch Christmann & Groeben, 1999) untersucht (z.B. Mitchell, Corley & Garnham, 1992). In diesem Paradigma werden den Versuchspersonen Sätze dargeboten, deren Analyse nach dem Late-Closure-Prinzip zu einer syntaktisch falschen Strukturierung führt, die in einem zweiten Schritt korrigiert werden muss. Dabei handelt es sich um Sätze wie z.B. "Helmut ist gut zu sehen". Das Wort "Helmut" wird aufgrund seiner Position im Satz zunächst als Subjekt wahrgenommen, in der Tiefenstruktur ist es hingegen das Objekt der durch das Verb bezeichneten Tätigkeit. Kinder neigten bis zu einem Alter von sieben bis acht Jahren dazu, den Satz dahingehend zu interpretieren, dass Helmut gut sieht, so Klicpera und Gasteiger-Klicpera (1995, S. 135). Ähnlich verhalte es sich bei dem Satz "Hans verspricht Fritz zu kommen", der von jüngeren Kindern so verstanden wird, dass Fritz kommt. Während Kinder dieses Alters noch generell Probleme haben, eigene Fehler in der syntaktischen Strukturierung von Sätzen zu erkennen, analysieren Erwachsene in diesem Fall, wie in der autonomen Syntaxtheorie beschrieben, isoliert die grammatikalische Struktur des Satzes (Christmann & Groeben, 1999). Treten hingegen während des Parsens keine Widersprüche auf, scheint die interaktionistische Syntaxtheorie den Leseprozess Erwachsener adäquater zu beschreiben.
Kinder haben über die oben genannten Beispiele hinaus in diesem Alter Probleme mit zahlreichen Konjunktoren (Oakhill & Garnham, 1988, S. 52). Während zu Beginn der Schulzeit vor allem temporale Konjunktoren wie "dann" und "danach" bevorzugt werden, entwickelt sich allmählich im Laufe der ersten sechs Schuljahre das Verständnis für kausale Verknüpfungen wie "weil", "deshalb" und "folglich".
Klicpera und Gasteiger-Klicpera (1995, S. 135) vermuten, dass vor allem bei Kindern, die sich selbst noch im Spracherwerbsprozess befinden, eine relative Autonomie von syntaktischer und semantischer Analyse, bei Erwachsen hingegen eine enge Interaktion zwischen Syntax und Semantik vorliegt. Ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung des Leseverständnisses sei also die Fähigkeit der Satzanalyse bzw. der grammatikalischen Kompetenz, so Klicpera und Gasteiger-Klicpera.
![]() Abbildung 8 Verarbeitungsebenen im Modell des Textverstehens (nach Kintsch & Kintsch, 1986) |
|
Satz A1: Three turtles rested on a floating log and a fish swam beneath them. Satz A2: Three turtles rested on a floating log and a fish swam beneath it. Satz B1: Three turtles rested beside a floating log and a fish swam beneath them. Satz B2: Three turtles rested beside a floating log and a fish swam beneath it. |
|
Text 1 Das Experiment von Bransford, Barclay & Franks (1972, zitiert nach McNamara, Miller & Bransford, 1991): Geraume Zeit nachdem Versuchspersonen einen der beiden ersten Sätze gelesen hatten (Satz A1 und A2) fiel es ihnen schwer zu entscheiden, welcher von beiden es gewesen ist. Bei Satz B1 und B2 fällt die Entscheidung leicht, obwohl sich dieses Satzpaar ebenfalls nur durch eine Präposition unterscheidet. Der Unterschied muss also in der mentalen Repräsentation der beschriebenen Situation liegen. |
![]() Abbildung 9 Stufenmodell des Schriftspracherwerbs nach Günther (1989). Günther betrachtet den Schriftspracherwerb als Folge von Strategiewechseln, die er als kritische Phasen (vom Autor farblich hervorgehoben) bezeichnet. Nach Günther zeigt das Kind im Falle des Scheiterns von Strategiewechseln charakteristische Fehlleistungen. |
"For the simple view, skilled decoding is simply efficient word recognition: the ability to rapidly derive a representation from printed input that allows access to the appropriate entry in the mental lexicon, and thus, the retrieval of semantic information at the word level." Hoover und Gough (1990)Dabei spiele es letztlich keine Rolle, ob ein Wort Buchstabe für Buchstabe rekodiert, oder auf andere Weise erkannt werde. Hoover und Gough (1990) vermuten, dass das Rekodieren vor allem am Beginn des Schriftspracherwerbs das Lesen dominiere, aber zunehmend durch effizientere Formen der Worterkennung abgelöst werde, die sie jedoch nicht näher spezifizieren.
|
Tabelle 1 Mögliche Untergruppen von leseschwachen bzw. kompetenten Kindern nach Hoover & Gough (1990). |
|||
| Dekodieren | |||
| - | + | ||
| Hörverstehen | - | "Garden-Variety-Poor-Reader" Das Kind verfügt weder über effektive Worterkennung, noch über Hörverstehen. Es ist deshalb allgemein leseschwach. |
"Hyperlexic" Das Kind ist in der Lage, Schrift zu dekodieren, aber es kann das Gelesene nur unzureichend verstehen. |
| + | "Dyslexic" Es liegt eine Lese-Rechtschreibstörung vor, da eine Diskrepanz zwischen Hör- und Leseverstehen vorliegt. |
gut ausgeprägtes Leseverständnis Sowohl das Dekodieren als auch das Hörverstehen ist gut ausgeprägt. Das Kind kann sinnentnehmend lesen. |
|
| Nur wenn sowohl Hörverstehen als auch die Fähigkeit zum Dekodieren ausgeprägt sind, ist das Kind in der Lage sinnentnehmend zu lesen. | |||
![]() Abbildung 10 Mittelwertsvergleiche zwischen Hör- und Leseverstehen bei den verschiedenen Untersuchungsgruppen (Marx & Jungmann, 2000). Am ausgeprägtesten ist die Zunahme des Leseverstehens vom Ende der 1. zur Mitte der 2. Klasse. |
![]() Abbildung 11 gemeinsame Varianzanteile von sprachlicher Intelligenz, Lese- und Hörverstehen (Rost & Hartmann, 1992) |
Artelt, C., Baumert, J., Klieme, E., Neubrand, M., Prenzel, M., Schiefele, U., Schneider, W., Schümer, G., Stanat, P., Tillmann, K.-J., & Weiß, J. (2001). PISA 2000: Zusammenfassung zentraler Befunde [Internet]. verfügbar unter: http://www.mpib-berlin.mpg.de/pisa/ergebnisse.pdf [31.07.2002].
Artelt, C., Stanat, P., Schneider, W. & Schiefele, U. (2001). Lesekompetenz: Testkonzeption und Ergebnisse. J. Baumert, E. Klieme, M. Neubrand, M. Prenzel, U. Schiefele, W. Schneider, P. Stanat, K.-J. Tillmann & M. Weiß (Hrsg.), PISA 2000: Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich (69 – 140). Opladen: Leske + Budrich.
AWMF (2003). Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten (F81) [Internet]. verfügbar unter: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/kjpp-017.htm (Datum des Zugriffs: 19.05.2004).
Balota, D. A. (1990). The Role of Meaning in Word Recognition. In D. A. Balota, G. B. Flores d'Arcais & K. Rayner (Hrsg.), Comprehension processes in reading (9 – 32). Hillsdale: Lawrence Erlbaum Associates.
Byrne, B., Freebody, P., & Gates, A. (1992). Longitudinal data on relations of word-reading strategies to comprehension, reading time, and phonemic awareness. Reading Research Quarterly, 27, 140-151.
Christman, U. & Groeben, N. (1999). Psychologie des Lesens. In B. Franzmann & G. Jäger (Hrsg.), Handbuch Lesen (145 – 223). München: Saur.
Coltheart, M. & Rastle, K. (1994). Serial Processing in Reading Aloud: Evidence for Dual-Route Models of Reading. Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, 20(6), 1197 – 1211.
Ferstl, E. & Flores d'Arcais, G. B. (1999). Das Lesen von Wörtern und Sätzen. In A. D. Frederici (Hrsg.), Enzyklopädie der Pychologie, Serie 3. Sprache, Bd. 2. Sprachrezeption (203 – 242). Göttingen: Hogrefe.
Fletcher, J. M., Morris, R., Lyon, G. R., Stuebing, K. K., Shaywitz, S. E., Shankweiler, D. P., Katz, L. & Shaywitz, B. A.(1997). Subtypes of Dyslexia: An Old Problem Revisited. In B. Blachman (Hrsg.), Foundations of reading acquisition and dyslexia: implications for early intervention (115 – 141). New Jersey: Lawrence Erlbaum Associates.
Flores d'Arcais, G. B. (1990). Parsing principles and language comprehension during reading. In D. A. Balota, G. B. Flores d'Arcais & K. Rayner (Hrsg.), Comprehension processes in reading (435 – 360). Hillsdale: Lawrence Erlbaum Associates.
Gold, A., Mokhlesgerami, J., Rühl, K., Schreblowski, S., & Souvignier, E. (2004). Wir werden Textdetektive [Lehrermanual & Arbeitsheft]. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Grimm, H. (1998). Sprachentwicklung – allgemeintheoretisch und differentiell betrachtet. In R. Oerter & L. Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie: Ein Lehrbuch (4. Auflage) (705 – 757). Weinheim: Beltz.
Kalb, G., Rabenstein, R. & Rost, H. (1979). Lesen und Verstehen – Diagnose. Braunschweig: Westermann.
Kendall, J. R., & Hood, J. (1979). Investigating the relationship between comprehension and word recognition: Oral reading analysis of children with comprehension or word recognition disabilities. Journal of Reading Behavior, 11(1), 41-48.
Klicpera, Ch. & Gasteiger-Klicpera, B. (1995). Psychologie der Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten: Entwicklung, Ursachen, Förderung. Weinheim: Beltz.
Küspert, P. & Schneider, W. (1998). Würzburger Leise Leseprobe (WLLP): Ein Gruppenlesetest für die Grundschule. Göttingen: Hogrefe.
Lenhard, W., & Schneider, W. (2005). ELFE 1-6: Ein Leseverständnistest für Erst- bis Sechstklässer. Göttingen: Hogrefe.
Lienert, G. & Raatz, U. (1998). Testaufbau und Testanalyse (6. Auflage). Weinheim: Psychologie Verlags Union.
Marx, H. (1998). Kuspels Leseaufgaben (Knuspel-L). Göttingen: Hogrefe.
Mastropieri, M., & Scruggs, T. (1997). Best Practice in Promoting Reading Comprehension in Students with Learning Disabilities. Remedial and Special Education, 18, 197-213.
McNamara, T. P., Miller, D. L. & Bransford, J. D. (1991). Mental Models and Reading Comprehension. In T. P. McNamara, D. L. Miller, J. D. Bransford & R. Barr (Hrsg.), Handbook of Research on Reading, Vol 2 (490 – 511). Hillsdale: Laurence Erlbaum Associates.
Mitchell, D. C., Corley, M., Garnham, A. (1992). Effects of Context in Human Sentence Pasing: Evidence Against a Discourse-Based Mechanism. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory and Cognition. 18(1), 69 – 88.
Morris, R. D., Stuebing, K. K., Fletcher, J. M., Shaywitz, S. E., Lyon, G. R., Shankweiler, D. P., Katz, L., Francis, D. J. & Shaywitz, B. A. (1998). Subtypes of Reading Disabillity: Variability Around a Phonological Core. Educational Psychology, 90(3), 347 – 373.
Näslund, J. C., & Schneider, W. (1996). Kindergarten letter knowledge, phonological skills, and memory processes: Relative effects on early literacy. Journal of Experimental Child Psychology, 62, 30-59.
Oakhill, J. & Garnham, A. (1988). Becoming a skilled reader. Oxford: Blackwell.
OECD (1995). Literacy, Economy and Society. Results of the first International Adult Literacy Survey. Ontario: OECD.
Palincsar, A.S. & Brown, A.L. (1984). Reciprocal teaching of comprehension-fostering and comprehension-monitoring activities. Cognition and Instruction, 1, 117-175.
Paris, S.G., Cross, D.R. & Lipson, M.Y. (1984). Informed strategies for learning: A program to improve children’s reading awareness and comprehension. Journal of Educational Psychology, 76 (6), 1239-1252.
Pinker, S. (1998). Der Sprachinstinkt. München: Knaur.
Richter, S. (2002). Schreibwortschatz von Grundschulkindern. Bayerisches Korpus. Regensburg: Roderer.
Richter, T. & Groeben, U. (2002). Lesekompetenz: Prozessebenen und interindividuelle Unterschiede. In N. Groeben & B. Hurrelmann (Hrsg.), Lesekompetenz: Bedingungen, Dimensionen, Funktionen (25-58). Weinheim: Juventa.
Schaffner, E., Schiefele, U., & Schneider, W. (2004). Ein erweitertes Verständnis der Lesekompetenz: Die Ergebnisse des nationalen Ergänzungstests. In U. Schiefele, C. Artelt, W. Schneider & P. Stanat (Hrsg.), Struktur, Entwicklung und Förderung von Lesekompetenz (197-243). Wiesbaden: VS-Verlag.
Schneider, W. (2004).Frühe Entwicklung von Lesekompetenz: Zur Relevanz vorschulischer Sprachkompetenzen. In U. Schiefele, C. Artelt, W. Schneider, & P. Stanat (Hrsg.), Struktur, Entwicklung und Förderung von Lesekompetenz: Vertiefende Analysen im Rahmen von PISA 2000 (13-36). Wiesbaden: VS Verlag.
Schneider, W., & Näslund, J.-C. (1997). The early prediction of reading and spelling: Evidence from the Munich Longitudinal Study on the genesis of individual competencies. In C. K. Leong, R. Joshi (Hrsg.), Cross-language studies of learning to read and spell (139-159). Dordrecht: Kluwer Academic Publishers.
Schwippert, K., Bos, W., & Lankes, E.-M. (2003). Heterogenität und Chancengleichheit am Ende der vierten Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich. In W. Bos, E.-M. Lankes, M. Prenzel, K. Schwippert, R. Valtin, & G. Walther (Hrsg.), Erste Ergebnisse aus IGLU: Schülerleistungen am Ende der vierten Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich (265-302). Münster: Waxmann.
Stanovich, K., Siegel, L., Gottardo, A., Chiappe, P. & Sidhu, R. (1997). Subtypes of Developmental Dyslexia: Differences in Phonogical and Orthographic Coding. In B. Blachman (Hrsg.), Foundations of reading acquisition and dyslexia: implications for early intervention (115 – 141). New Jersey: Lawrence Erlbaum Associates.
Statistisches Bundesamt (2005). Gebiet und Bevölkerung [Internet]. verfügbar unter: http://www.statistik-portal.de/Statistik-Portal/de_jb01_jahrtab1.asp [11.04.2005].
Swanson, H. (1999). Reading research for students with LD: A meta-analysis of intervention outcomes. Journal of Learning Disabilities, 32, 504-532.
Taraban, R. & McClelland, J. L. (1990). Parsing and comprehension: A multiple-contraint view. In D. A. Balota, G. B. Flores d'Arcais & K. Rayner (Hrsg.), Comprehension processes in reading (231 – 264). Hillsdale: Lawrence Erlbaum Associates.
Die folgende Auflistung zeigt aktuelle Lesetests, die im deutschsprachigen Raum erhältlich sind, oder zumindest angewendet werden. Die meisten der Verfahren sind in der http://www.testzentrale.de, per Direktversand durch die Testautoren oder per Internet erhältlich.
| Name |
Kurz- bezeich- nung |
Auflage,
Anwen- dung seit |
Alters- bereich |
Beschrei- bung |
Autor |
Angaben zur Test- normie- rung |
|
Ein Leseverständnis- test für Erst- bis Sechstklässer |
ELFE 1-6 | ab Februar 2006 | Ende 1. bis Ende 6. Klasse | Leseverständnistest, der das Verständnis auf Wort-, Satz- und Textebene erfasst. Verfügbar als Computer- und Papier- und Bleistiftversion. | W. Lenhard & W. Schneider |
Klassen- normen Reliabilität Validität N = 4893 |
|
Frankfurter Leseverständnis- test für 5. und 6. Klassen |
FLVT 5-6 | 2008 | Klasse 5 und 6 | Ein narrativer und ein expositorischer Text mit jeweils 18 Multiple-Chioce-Fragen | E. Souvignier, I. Trenk-Hinterberger, S. Adam-Schwebe und A. Goldr |
Klassen- normen (jeweils 2. Halbjahr) interne Konsistenz Validität N = 2476 |
|
Lesegeschwindig- keits- und verständnistest für die Klassenstufen 6-12 |
LGVT 6-12 | 2007 | Klasse 6 - 12 | Ermittlung des Leseverständnisses und der Lesegeschwindigkeit anhand des Lesens eines Lückentextes. An 23 Stellen im Text ist eine Lücke und die Schüler müssen das in die Lücke passende Wort aus einer Liste von 3 Wörtern markieren. | W. Schneider, M. Schlagmüller und M. Ennemoser |
Klassen- und Schulnormen Reliabilität Validität N = 2390 |
| Salzburger Lese-Screening für die Klassenstufen 1-4 | SLS 1-4 |
In Anwen- dung seit 2003 |
Ende der 1. bis Ende der 4. Klasse | Liste sehr einfacher richtiger und falscher Sätze (z.B. Bananen sind blau), die möglichst schnell gelesen und nach ihrer Richtigkeit beurteilt werden sollen. Liefert das SLS 1-4 einen Wert im unteren Leistungsbereich, sollte anhand des SLRT die Problematik weiter aufgeklärt werden. | H. Mayringer und H. Wimmer |
Klassen- normen Reliabilität Validität N = 1867 |
| Salzburger Lese-Screening für die Klassenstufen 5-8 | SLS 5-8 |
In Anwen- dung seit 2005 |
Ende der 5. bis Ende der 8. Klassen- stufe |
analog SLS 1-4 | M. Auer, G. Gruber, H. Mayringer und H. Wimmer |
Klassen- normen Reliabilität Validität N zwischen 714 und 850 pro Klassen- stufe |
| Der Salzburger Lese und Rechtschreibtest | SLRT |
In Anwen- dung seit 1997. |
Am Ende der 1. bis zum Ende der 4. Schulstufe. | Verfahren zur differenziellen Diagnose von Schwächen beim Erlernen des Lesens und Schreibens; Erfassung zweier unterschiedlicher Komponenten des Lesens: Defizite in der automatischen, direkten Worterkennung und Defizite des synthetischen, lautierenden Lesens. Erfasst werden Lesezeit und Lesefehler | K. Landerl, H. Wimmer und E. Moser |
Alters- normen Reliabilität Validität N=2800 |
| Würzburger Leise Leseprobe | WLLP | 1. Auflage 1998 | 1. Bis 4. Klasse |
Worterkennung, Dekodier- geschwindigkeit |
P. Küspert W. Schneider |
Alters- normen Reliabilität Validität N=2820 |
| Knuspels Leseaufgaben | Knuspel-L | 1. Auflage 1998 | Ende des 1. Bis Ende des 4. Schuljahres |
Rekodieren und Dekodieren
auf Wortebene Leseverstehen auf Satzebene |
H. Marx |
Alters- normen Reliabilität Validität |
| Hamburger Lesetest für 3. und 4. Klassen | HAMLET 3/4 | 2. Auflage 2006 | Ende der 3. und Ende der 4. Klasse | Wort-Test und Leseverständnistest (bestehend aus 10 Texten) | R.H. Lehmann, R. Peek und J. Poerschke |
Alters- normen Reliabilität (eingeschränkt) Validität (eingeschränkt) |
| Lesen und Verstehen Diagnose und Training | LUV | 1. Auflage 1971 | 1. und 2. Klasse und ältere Kinder mit Leseschwäche | Diagnose und Trainingsprogramm zum Thema sinnverstehendes Lesen |
G. Kalb, R. Rabenstein D. H. Rost |
Reliabilität |
| Lesetest für 2. Klassen | LT 2 | 3. Auflage 1971 | 2. Halbjahr der 2. Klasse bis 1. Vierteljahr der 3. Klasse | Untertests thematisieren das Verständnis beim stillen Lesen über Bild-Wort, Wort-Wort und Satz-Satz-Zuordnung -> Wortverständnis und Textverständnis | E. Samtleben, F. Biglmaier, K. Ingenkamp |
Alters- normen, N = 729 |
| Diagnostischer Lesetest zur Frühdiagnose von Lesestörungen | DLF 12 |
In Anwen- dung seit 1984 |
Ende 1. bis Mitte 2. Klasse | Wortlesetest zur Früherfassung von Lesestörungen. Untertests umfassen "Speichern", "Synthese", "Analyse", "Segmentierung" | R. Müller |
Reliabilität Validität N = 320 |
| Stolperwörter-Lesetest | STOLLE | seit 2001 (?) | 1. bis 4. Klasse | Liste mit Sätzen, in denen ein "Störer" eingefügt wurde. Das falsche Wort muss erkannt und durchgestrichen werden. | W. Metze | angefallene Stichprobe; keine systematische, kontrollierte Validierung und Normierung |
| Züricher Lesetest | ZLT |
6. Auflage 2000 (neue
Recht- schrei- bung) |
2. Bis 6. Klasse jeweils im ersten Quartal, Diagnose von LRS |
Leseflüssigkeit und
-genauigkeit qualitativ-prozessuale Analyse des Leseverhaltens |
M. Linder H. Grissemann |
Alters- normen N = 449 |
|
Züricher
Leseverständnis- test für das 4. Bis 6. Schuljahr |
ZLVT 4 6 |
2. Auflage 2000 (neue
Recht- schrei- bung) |
4. Bis 6. Schuljahr | sinnverstehendes Lesen, orale Lesefertigkeit, Dekodieren beim stillen Lesen und handlungsmäßige Überprüfung, Darbietung in Kombination mit ZLT |
H. Grissemann W. Baumberger |
Alters- normen N = 300 |