
Aufgaben und Subskalen von ELFE 1-6
Alle Aufgaben folgen dem
gleichen Schema: Zunächst wird akustisch
eine Instruktion gegeben. Daran schließen sich zwei
Probeaufgaben an,
deren
Beantwortung nicht in die Wertung einfließt. Während
dieser
Instruktionsphase kommt ein Kind nur dann zur nächsten
Aufgabe, wenn es die richtige Antwortalternative wählt.
Während des
eigentlichen Tests unterbleibt die Rückmeldung.
-
Wortverständnis
In diesem Untertest hat das Kind die Aufgabe, dem dargebotenen Bild die
richtige Wortalternative zuzuordnen. Es werden Wörter mit ein
bis vier
Silben dargeboten, wobei die Distraktoren sowohl phonetisch als
graphemisch dem Zielwort ähneln. Alle Antwortalternativen
einer Aufgabe
haben stets die gleiche Anzahl an Silben.
erfasste Fähigkeit:
Dekodieren (Ganzworterkennung)

-
Lesegeschwindigkeit
In diesem Test, der nur in der Computerversion vorkommt, wird eine
Schwellenmessung der Worterkennungsgeschwindigkeit vorgenommen. Zu
diesem Zweck werden Namen im Anschluss an einen kurzen Hinweisreiz
einzeln für kurze Zeit eingeblendet und nach Ende der
Darbietungszeit durch eine Helligkeitsmaske maskiert. Die
Auswahlalternativen werden erst mit Beginn der Einblendung eines Namens
aktiviert und nach der Antwort wieder gesperrt.
Zu jedem vorkommenden Jugennamen existiert im Itempool ein
vergleichbarer Mädchennamen, der jeweils über die
gleiche Anzahl an Buchstaben verfügt und der dem Jungennamen
möglichst ähnlich ist, wie z. B. Katrin –
Martin, Ulrich – Ulrike usw. Viele der allgemein
gebräuchlichen Namen können sehr schnell an globalen
Charakteristika erkannt werden, da keine Entsprechung desselben Namens
für das jeweils andere Geschlecht existiert (bei
männlichen Namen z. B. Frank, Wolfgang, Thomas etc.). Zur
Umgehung dieses Problems wurden verstärkt jene Namenspaare
berücksichtigt, an deren Endungen nicht zu erkennen war,
welchem Geschlecht der jeweilige Name angehört. Diese Namen
wurden zunächst von 112 Grundschulkindern ohne Zeitbegrenzung
nach Geschlecht kategorisiert. Es wurden nur jene Namen einbezogen, bei
denen beide Namen eines Paares von mindestens 90 % der Kinder korrekt
klassifiziert wurden. Der Itempool besteht aus 32 Namen (jeweils 16
Mädchen- und 16 Jungennamen von denen jeweils 4 eine
Länge von 4, 5, 6 oder 7 Buchstaben aufweisen). Die
Darbietungszeit beginnt mit einer Dauer von 900 ms und wird nach
jeweils vier Items angepasst. Jeder dieser Viererblocks
enthält jeweils ein Item mit einer Länge von 4, 5, 6
und 7 Buchstaben besteht zur Hälfte aus Jungen- bzw.
Mädchennamen. Wenn alle Aufgaben eines Blocks richtig
beantwortet wurden, wird die Darbietungszeit verringert, bei 3
Richtigen bleibt sie konstant und bei 0, 1 oder 2 gelösten
Aufgaben wird sie verlängert. Der Korrekturbetrag ist
zunächst auf 240 ms festgesetzt und wird von Block zu Block um
80 ms reduziert, sodass die Änderung der Darbietungszeit im
Laufe des Untertests immer geringer wird und sich ein Niveau
einpendelt. Die untere Grenze der Darbietungszeit beträgt 100
ms.
Bei diesem Untertest gibt es einige Einschränkungen, die bei
der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden
müssen:
Zum einen gibt es starke regionale und zeitliche Schwankungen
hinsichtlich der Bekanntheit von Vornamen. Namen, die vor geraumer Zeit
sehr beliebt waren, sind vielen Grundschulkindern nicht mehr bekannt,
und Namen, die momentan sehr aktuell sind, veralten u. U. innerhalb
weniger Jahre. Beispielsweise stuften im Vortest 23,2% der Kinder
Marion als männlichen Vornamen ein. (Dieses Item wurde
aussortiert.)
Zum anderen hängt die Darstellungsgenauigkeit stark
von der Leistungsfähigkeit und Systemlast des verwendeten
Computers ab. Erreicht der Proband die untere Grenze der
Darbietungszeit von 100 ms, so kann aufgrund der Schwankungen in der
Darstellungsgenauigkeit die Zeitdauer der Darstellung unter die
Wahrnehmungsschwelle von 60 ms fallen. In diesem Fall kann das Wort
nicht mehr erkannt werden und es muss zwangsläufig geraten
werden.
Aus diesen Gründen und um die Vergleichbarkeit mit der
Papierversion zu gewährleisten, fließt das Ergebnis
dieses Untertest nicht in das Gesamtergebnis ein, sondern wird getrennt
ausgewertet.
erfasste Fähigkeit:
Lesegeschwindigkeit

-
Satzverständnis
Während die ersten beiden Aufgabentypen
ausschließlich Leseverständnis
auf Wortebene erfordern, müssen Kinder beim
Satzverständnistest den
Sinn ganzer Sätze erfassen und dabei auch die Syntax
berücksichtigen. Dem Kind wird ein Satz dargeboten, bei dem es
für einen Satzteil (in der Regel ein einziges Wort) mehrere
Auswahlalternativen gibt. Die Aufgabe besteht darin, jene
Alternative zu finden, die in den Satz passt. Die Auswahlalternativen
– insgesamt 5 – gehören dabei derselben
Wortart an und ähneln sich wiederum nach Möglichkeit
graphemisch und phonemisch. Der Itempool besteht aus 28
Sätzen, bei denen das Targetwort ein Substantiv, ein Verb, ein
Adjektiv, eine Konjunktion oder eine Präposition sein kann.
Durch die Verwendung von Konjunktionen werden auch grammatikalische
Kompetenzen des Kindes berücksichtigt.
erfasste
Fähigkeiten:
sinnentnehmendes Lesen, syntaktische
Fähigkeiten

-
Textverständnis
Der letzte Test schließlich befasst sich mit
Textverständnis. Zum einen
benötigt das Kind hierbei die Fähigkeit,
Informationen im Text
aufzufinden. Zum anderen müssen bei einem Teil der Aufgaben
verschiedene Sätze miteinander in Verbindung gesetzt
werden. Dem Kind wird hierzu ein Text sowie eine Frage dazu
dargeboten. Die Aufgabe besteht darin, unter vier möglichen
Antworten die richtige Alternative zu finden.
erfasste
Fähigkeiten:
- Auffinden
einfacher Informationen in konkreten Fragestellungen
- Herstellung
anaphorischer Bezüge (satzübergreifendes Lesen)
- Inferenzbildung
(schlussfolgerndes Denken)
